Andreas Gefeller

Blank

08.09.12 bis 13.10.12

VERNISSAGE: 7. September 2012 18-21 Uhr

DOWNLOAD PRESS RELEASE

Mit der vierten Einzelausstellung von Andreas Gefeller in der Thomas Rehbein Galerie wird seine
neueste Serie Blank vorgestellt. Wieder widmet sich der Fotokünstler urban wie industriell vereinnahmten Orten, Erscheinungen des zeitgenössischen Lebens. Ähnlich zu seiner vorangegangen Werkreihe The Japan Series, zeugen auch seine jüngsten Arbeiten von einer beeindruckenden malerischen Qualität. Noch drastischer auf feine Linien und einzelne zarte Farbnuancen reduziert, oszillieren die Bilder zwi-schen Dokumentation und Konstruktion. Deutlich offenbaren sie eine Nähe zur Zeichnung oder zum Aquarell. Die Objektivität der Fotografie und ihr Anspruch Abbild der Realität zu sein werden von
Andreas Gefeller subtil poetisch unterlaufen.

Einen orbitalen Blick auf die Erde wirft Gefeller mittels bearbeiteter Satellitenbilder von Ballungsräumen. Erinnernd an die kartografischen Elemente der Serie Supervisions, geben die Bilder einen Eindruck von der Besiedlung des Planeten. Bei Nacht aufgenommen ist es genauer gesagt nur das Licht der dicht bevölkerten Gebiete, das auf zivilisatorische Spuren verweist. Hell erleuchtet lassen sich Stadtkerne und der Verlauf von Straßen ausmachen. Die fleckige Streuung und die sich tentakelartig ausbreitende Struktur der Ballungszentren unterstreichen die Unaufhaltsamkeit der fortschreitenden Urbanisierung. Das die Städte umgebende tiefe Schwarz verwandelt die zweidimensionale Erdoberfläche in einen unendlichen Raum, in dem urzeitliche Mikroorganismen zu schweben scheinen.
In seinen großformatigeren Arbeiten, die ebenfalls bei Nacht entstanden, zoomt Gefeller in die Herzen der Zivilisation hinein. Von generalisierenden Stadtübersichten über Architektur auf technische Anlagen: Gebäudefassaden, Autobahnkreuze, Containerterminals und Raffinerien.
Die exzessiv überbelichteten Fotografien weisen großflächig verblichene Stellen auf. Der Zweck von künstli-chem Licht, Dinge sichtbar zu machen, wird hier ins Gegenteil verkehrt. Das ursprünglich Vorhandene löst sich auf, während die unbeleuchteten, dunkelsten Zonen der langen Belichtung standhalten und sich auf dem Papier als Rückstände abbilden. Nur diese Detailreste geben Hinweise auf die ausgelöschte Wirklichkeit, die als scherenschnitthafte, ganz und gar weiße – eben blanke – Negativform erhalten bleibt.
Das Konturenhafte weckt das Bedürfnis, das Ursprüngliche zu rekonstruieren und die vorhandenen Leerstel-len zu ergänzen. Im wahrsten Sinne des Wortes lassen die Arbeiten viel Raum, um das Gesehene zu interpretieren. So ähneln die Bilder eines Chemieparks architektonischen Explosionszeichnungen, die endlose Rei-hung von Fenstern einer Hausfassade scheint eine codierte Nachricht zu enthalten, und gestapelte Container legen den Vergleich mit Datenpaketen nahe. Fast auf strukturelle Muster reduziert, symbolisieren die porträ-tierten Orte die Auflösung der Postmoderne in der Flut der Informationen, die der Mensch kaum mehr erfas-sen oder gar bewältigen kann. Das blendende Licht der Zivilisation lässt die Serie Blank zum Sinnbild für unsere von Schnelllebigkeit und Reizüberflutung geprägte Gesellschaft werden.
Mit Blank hat Gefeller Bilder geschaffen, die in der bisherigen Fotografiegeschichte einzigartig sind. Nicht das Licht, sondern die Dunkelheit gibt hier ihr Geheimnis preis. Mit aufwendigen Mehrfachaufnahmen erzeugt der Künstler chirurgisch präzise Abbildungen, die dennoch eine intime Stille in sich bergen. Seine spezifische fotografische Art der Annäherung an die Welt ist eine philosophisch Analytische, die eine Sehnsucht nach Entschleunigung in sich birgt.

Miriam Walgate, 2012


Künstler:
Andreas Gefeller (VITA)