Andreas Gefeller

The Japan Series

16.10.10 bis 23.11.10

VERNISSAGE: Ausstellung verlängert bis zum 27.11.2010

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„The Japan Series“ nennt Andreas Gefeller seine jüngste Werkgruppe. Diese neuen Fotoarbeiten entstanden im Rahmen des Projekts „European Eyes on Japan“ in der Präfektur Tottori, zu dem jährlich 3 bis 4 europäische Fotografen eingeladen werden, in einer der 47 japanischen Präfekturen zu arbeiten.
Gefellers neue Arbeiten zeigen seine subjektive Sicht auf eine fernöstliche urbane Lebenswelt. Er arbeitet Eigenschaften heraus, die für den Europäer das Individuelle und Fremdartige dieser Kultur beschreiben, für den Japaner jedoch zur gewohnten Alltagswahrnehmung gehören.

Kunst verändert den Blick auf die Wirklichkeit. Die Sensibilisierung und Erweiterung unserer Wahrnehmung von einer vermeintlich bekannten Realität ist der grundlegende Arbeitsansatz des Düsseldorfer Fotokünstlers Andreas Gefeller. Für seine vorangegangene große Serie „Supervisions“ (seit 2002) scannte er Schritt für Schritt die Oberflächen urbaner Räume ab und setzte die zahlreichen Einzelaufnahmen anschließend digital zu einem Gesamtbild zusammen. In seiner jüngsten Werkgruppe „The Japan Series“ bleibt Gefeller seinem Ansatz treu, wechselt allerdings den fotografischen Blickwinkel. Kennzeichnen die Serie „Supervisions“ überwiegend Aufsichten auf öffentliche Plätze und Flächen sowie vogelperspektivische Einblicke in geschlossene Räumlichkeiten, richtet er in „The Japan Series“ seinen Blick vorzugsweise nach oben.

Einen Schwerpunkt der Serie bilden die Poles.
Bei Tageslicht vor einem wolkigen Himmel oder vor einem schwarzen Nachthimmel fotografierte Andreas Gefeller Strommasten mit mindestens zwei Einzelaufnahmen von unten ab. Dafür richtete er seine Kamera lotrecht nach oben. Bei der anschließenden digitalen Zusammensetzung fügte er die Einzelaufnahmen so zusammen, dass im endgültigen Bild der Mast verschwindet und die unzähligen Stromkabel und Transformatoren sich in eine autonome, abstrakte Komposition vor monochromem Hintergrund verwandeln. Fehlende Orientierungs- und Bezugspunkte unterstützen diesen Eindruck und ermöglichen vertraute Zusammenhänge neu zu sehen. So wecken die Poles etwa Assoziationen an Netzwerkübersichten von U-Bahnplänen, Daten übertragende Kabelsysteme oder an Nachtaufnahmen pulsierender Verkehrsadern einer Stadt.

Andere Aufnahmen der neuen Werkgruppe zeigen für die Präfektur Tottori typische Trauben- und Birnenplantagen, deren Zweige sich, infolge des menschlichen Eingriffs, um quadratische Drahtnetzkonstruktionen und hölzerne Gitter winden. Formal gleich zu den Poles werden auch sie, herausgelöst aus ihrem ursprünglichen Kontext, zu abstrakten Bildkompositionen. Gestalterisch sind Gefellers jüngste Fotoarbeiten deutlich formaler und struktureller geworden. Sie zeugen von starken malerischen Qualitäten, welche sich aus dem für den Betrachter ungewöhnlichen und nur schwer nachvollziehbaren Blickwinkel der Untersicht ergeben. Auch Korrespondenzen zu zeichnerischen Bildkonzepten, etwa Kalligrafien sind nicht zufällig, sondern werden durch die Wahl der Printtechnik und des Papiers zusätzlich verstärkt.

Gefeller hinterfragt mit seinen Fotoarbeiten die Objektivität des Mediums Fotografie sowie Begriffe wie Wahrheit und Verfremdung, die Beziehung Natur und Mensch und sein Verlangen alles einer überschaubaren Ordnung oder einem System unterzuordnen. Mit der Arbeit Untitled (Blossoms on Asphalt) entdeckt er aber auch Zeichen in denen die Ordnung dieser Welt aufbricht.
Mit „The Japan Series “ bewegt sich Gefeller mehr denn je in einem Spannungsfeld zwischen Natur und Urbanität, Ordnung und Chaos. Mit der allgemeinen Reduktion auf Linien und Flächen in beiden Motivfeldern erhält die neue Werkgruppe letztlich ihr stimmiges Gesicht.

(Miriam Walgate, 2010)


Künstler:
Andreas Gefeller (VITA)