Benjamin Houlihan

the little something

02.09.16 bis 08.10.16

VERNISSAGE: verlängert bis 15. Oktober 2016!

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Benjamin Houlihan, Preisträger des Kunstpreises der Stadt Nordhorn 2015, zeigt in seiner fünften Einzelausstellung in der Thomas Rehbein Galerie Skulpturen und Zeichnungen, die von einem reflexiven Umgang und einem raffinierten Spiel mit den traditionellen Gattungen der Kunst zeugen. Feste Vorstellungen von Vertrautem werden infrage gestellt und gleichzeitig neue Blickwinkel eröffnet.

Bearbeitete Holzmöbel und ein Piano offenbaren eindrucksvoll, wie durch kreative Transformationsprozesse und subtile Wendungen vertrauten Gegenständen ganz neue ästhetische Qualitäten und Bedeutungsebenen zukommen können und sich ihre Gestalt ändern kann. Hierfür hat Houlihan in einem aufwendigen, handwerklichen Prozess durch extreme Abschleifungen die gewöhnlich schweren Holzgegenstände in autonome, fragile Objekte transformiert. Aus einer zerstörerischen Methode entsteht Neues. Das Piano, der Klappstuhl, das zweitürige Wandschränkchen sind ohne Masse und erscheinen nunmehr wie eine flüchtige Silhouette ihrer ursprünglichen Vorlage. Gänzlich zweckentfremdet können sie in ihrer neuen Daseinsform ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Begrifflichkeiten wie Stabilität und Belastbarkeit sind nicht mehr zutreffend. Gleichzeitig werden in der optischen Wahrnehmung der Holzobjekte, deren Ausgangsformen ja noch eindeutig erkennbar sind, ihre Eigenschaften als Sitzmöbel oder Stauraum vom Betrachter gedanklich ergänzt. Genauso der Klang des verstummten Konzertflügels, der seines Klangkörpers und seiner Tasten beraubt wurde. Bemerkenswert ist, dass diese an die Grenzen von Material und Statik gebrachten Skulpturen beim Betrachten aus verschiedenen Blickwinkeln ihre Dreidimensionalität zu verlieren und zurückgenommen bloß noch Linien und Flächen im Raum zu markieren scheinen. Grazil in ihrer minimalistischen Leichtigkeit bewegen sich die Objekte zwischen Skulptur und Zeichnung.

Eine skulpturale Dimension weisen dagegen Houlihans Zeichnungen auf. Dynamische Farbtupfer in einem leuchtend roten Farbton tummeln sich wie schwerelos schwebend auf dem Papier. Sie gruppieren sich zu volumenhaften, dreidimensionalen, wolkigen Gebilden und suggerieren durch die gewonnene physische Präsenz auf einer zweidimensionalen Fläche Dreidimensionalität wo keine ist. Benjamin Houlihans Arbeiten irritieren und verunsichern unsere festen Sehgewohnheiten, doch zugleich ermöglichen sie eine neue, eindrucksvolle Seherfahrung.

(Miriam Walgate, 2016)


Künstler:
Benjamin Houlihan (VITA)