Dove Bradshaw

Time

05.12.14 bis 24.01.15

VERNISSAGE: 05. Dezember 2014, 18-21 Uhr

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Dove Bradshaw beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit dem Phänomen Zeit, mit dem Sichtbarmachen der Zeit durch die Spuren, die sie hinterlässt. Äußere Faktoren wie Umwelteinflüsse, atmosphärische Bedingungen aber auch chemische Prozesse verändern und formen im Verlauf der Zeit die unbeständigen Naturmaterialien und chemischen Substanzen aus denen ihre Arbeiten bestehen. Als sichtbare Prozesse machen diese Veränderungen das Phänomen Zeit erfahrbar und spürbar.

In Bradshaw’s Arbeiten vereinen sich Ästhetik, Metaphysik und Gesetze der Naturwissenschaften mit der Zeit als kollaborierender Faktor. Die Bilder der Serie Contingency (seit 1984) sind dem impulsiven Malakt des Abstrakten Expressionismus nahe oder erinnern mit ihren abstrakten Strukturen und dem Produktionsverfahren an die per Oxidation „gemalten“ Piss Paintings des Bad Boys der amerikanischen Moderne. Im Zusammenspiel mit Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit, Licht und Temperatur wird auf den mit Silber beschichteten Leinenpapierarbeiten mittels der Chemikalie Schwefel als wirkende Kraft eine chemische Reaktion entfacht. Durch Oxidation verfärben sich die Silberoberflächen über die Zeit in ein kupferfarbiges Gold, in dem zunächst türkisblaue dann dunkelblaue Töne aufscheinen und schließlich in einem schillernden Schwarz enden.
Bradshaw’s Methode bewegt sich in den Zwischenräumen von Zeit, Zufall und Unbestimmtheit und bringt Arbeiten mit offenem Ausgang hervor. In Life & Art (2014) wird ein Pyrit-Kristall, auch bekannt als Schwefelkies, in würfelförmiges Gold mit lebhaften Glanz umgewandelt. In der Serie Notation (seit 2000) wird auf Kalksandsteinblöcken ein Prisma aus Bronze das mit Ammoniumchlorid Kupfersulfat behandelt wurde aufgelegt und so eine Verfärbung des Gesteins hervorgerufen. Die Veränderung veranschaulicht zeitliche Dauer, die Arbeiten werden zu Metaphern für die Zeit.
Auf ganz andere Weise wird das Phänomen Zeit in der Arbeit Angles IX (2005) aus der Serie Angles 12 Rotations sichtbar gemacht. Auf einem dreieckigen Bild ist ein weiteres Dreieck, ein Viertel Größe des großen Dreiecks, angebracht und berührt mit der Spitze dessen Längsseite. Die Arbeit lässt sich auf zwölf verschiedene Weisen aufhängen, indem entweder das innere oder das äußere Dreieck zum Horizont ausgerichtet wird. Die Rotation der Dreiecke wird durch eine Auswertungskarte vorgegeben, die, angelegt auf die Dauer der Ausstellung, für jeden Tag eine dem Zufall abgewonnene Hängung angibt. Durch die rotierende Positionsveränderung der Dreiecke wird das Vergehen von Zeit verzeichnet. Gebunden an den Faktor Zeit sind Dove Bradshaw’s Arbeiten die Eigenschaften der Flüchtigkeit und der Unbeständigkeit inhärent.
                            
(Miriam Walgate, 2014)


Künstler:
Dove Bradshaw (VITA)