Flinzer, Malcolm-Smith, Warmuth

23.05.14 bis 21.06.14

VERNISSAGE: 23. Mai 2014; 18-21 Uhr

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Anfang der 80er Jahre entdeckte Jochen Flinzer, dass die Rückseiten von Stickarbeiten, die rein zufällig und meist unbeachtet entstehen, abstrakte Eigenqualitäten besitzen. Er begann zu sticken, um zu solchen ungegenständlichen Stick-Zeichnungen zu gelangen. Seither ist er dieser Art mit der Nadel zu zeichnen, nach Strich und Faden verfallen.
Seine frühen Stickbilder basieren meist auf Vorlagen aus dem unmittelbaren Lebensumfeld. „Ich verwende Dinge, die mich reizen, die mich begeistern, die ich täglich aufnehme“, so Flinzer. Intuitiv wählt er Postkarten, Tattoos, Kontaktanzeigen oder Lottoscheine, die er direkt und nach unterschiedlichen konzeptuellen Ansätzen bestickt. [...]
Der emotional aufgeladene Inhalt der Vorderseite erscheint rückseitig versachlicht als abstraktes geometrisches Lineament mit statischer Aussagekraft. [...] Abstraktion und Realistik, die Kandinsky als die beiden Pole der Malerei bestimmte, bringt er in ein und demselben Werk zur Synthese.

(Auszüge aus einem Text von Nicole Fritz 2004)


Charlotte Malcolm-Smith arbeitet in dem Bewusstsein einer langen malerischen Tradition, innerhalb derer sie sich den Herausforderungen dieses Mediums widmet. Die Themen, die sie in ihren Bilderzyklen aufgreift, dienen ihr als Ansatz, über die jeweilige Idee hinaus zu gehen um die Möglichkeiten des Mediums selbst zu erforschen. [...]
Innerhalb einer Arbeitsphase können aufgrund der individuellen Aufgabenstellung des jeweiligen Sujets sehr unterschiedliche technische Lösungen entwickelt werden. Die [...] durchaus vielschichtige inhaltliche und meist zitative Ebene dient in erster Linie dieser malerisch inhärenten Fragestellung, wie ein Bild „funktionieren“ kann. [...]
In der Palette möglicher Techniken rangiert die Verarbeitung der Synthetikwolle dabei gleichwertig neben den konventionellen, klassischen Methoden. [...] Der profane Charakter des Materials wurde hierbei bewusst ignoriert und als äquivalentes Element der Malerei auf der Leinwand gleichgestellt. [...]
Der forschende Aspekt aller inhaltlichen und formalen Ebenen ist der eigentlich riskante in Charlotte Malcolm-Smith Arbeiten, die in ihrer Vorgehensweise keinem voluntaristischen Ansatz folgt, sondern sich ergebenden formalen Fragestellungen aus inhaltlich interessanten Themen mit maximaler Offenheit stellt.

(Auszüge aus einem Text von Regina Schultz-Möller 2009)


Herbert Warmuth steht in einer Tradition der Malereiforschung. Er ist kein rein abstrakter, aber auch kein rein figurativer Maler, er ist ein Augentäuscher, aber auch ein Farbfeldmaler. In seiner Untersuchung des Malmaterials, der Farbe, der Untergründe und Leinwände befördert er immer wieder sehr eigenständige Bilder ans Licht. [...]
>Eine Falte, keine Falte<, betitelte Sandra Danicke in der Frankfurter Rundschau eine Rezension der Arbeiten von Herbert Warmuth im März 2005. Sie traf damit den Kern eines Problems, mit dem Warmuth seit jeher umgeht: Was ist echt und was ist Illusion? Wo verlaufen die Grenzen zwischen Malerei, Relief und Skulptur und wie kann man diese Gattungen erweitern oder miteinander verbinden? [...]
Die mehrteiligen, zuweilen unregelmäßig geformten Flächen sind nicht nur mit Leinwand, sondern auch mit gebrauchten Textilien, unter anderem Oberhemden und Markisenstoff, bespannt und mit Öl, Acryl und Farbstiften zumeist flächig, vereinzelt jedoch auch pastos bemalt. [...]
Herbert Warmuth bringt zwei Welten zusammen: die des malerischen Illusionismus und die Realwelt, der auch wir und andere Dinge angehören. Dabei fallen Glaube und Skepsis ineinander.

(Auszüge aus einem Text von Markus Lepper 2008)


Künstler:
Jochen Flinzer (VITA) / Herbert Warmuth (VITA)