Gerard Hemsworth

Outing

30.01.15 bis 28.02.15

VERNISSAGE: 30. Januar 2015, 18-21 Uhr

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Gerard Hemsworth`s jüngste Arbeiten beschwören eine mysteriöse Welt herauf. Geheimnisvoll und doch vertraut. Unbehaglich und zugleich beschaulich. Das Monochrome und die Rasterstrukturen klingen als Geist der modernistischen Ästhetik nach. Subtil zusammengefügte Farbfelder bringen flache Bildräume hervor die von cartoonartigen Gesteinsbrocken, Grasbüscheln und Kakteen bevölkert werden.

Sind diese Landschaften karge Wüsten oder minuziös gepflegte botanische Gärten? Und wo liegt der Unterschied im Zeitalter des bequemen Reisens und exotischer Tagesausflüge? Beide Terrains scheinen gleichermaßen geeignet um die karierte Picknickdecke dort auszulegen.

Wer sind die Picknicker? Haben die Besucher die Szenerie gegenwärtig verlassen oder sind die anthropomorph wirkenden Kakteen deren stachelige Vertreter? Oder handelt es sich gar um absurde, unerkundete Orte an denen sukkulente Pflanzen in einem dionysischen Gelage aus ihren flüssigkeitsreichen Organen heraus gedeihen?

Neben erzählerischen Strukturen vermag man in Hemsworth`s neuen Arbeiten auch spielerische Anlehnungen an Werke des 20. Jahrhunderts etwa der klassischen Moderne entdecken. Ben Nicholson’s auf geometrische Formen reduzierte Hafenszenen von Cornwall scheinen hier in den verkapselten Gesteinsformen wieder anzuklingen, die stummen Mannequins in Chirico`s leeren, urbanen Schauplätzen kehren als neuzeitliche, vegetative Madonnen mit Kind wieder; auch die langen, spindelförmigen Muster in Hemsworth`s Bildwelten appellieren an unser kollektives Bildgedächtnis und rufen gar Morris Louis` hochkantige, von Farbflüssen durchzogene Leinwände in Erinnerung.

Die Bilder fragen nach dem "Wie“ und dem “Warum“. Originelle Kompositionen und Zeichen versetzen uns mit Leichtigkeit in einen Rausch, die unsinnigsten Szenerien zu konstruieren. Ein Sinngehalt – vorausgesetzt, dass dieser nach wie vor in der Malerei angestrebt wird – ist hier im Decodieren semiotischer Chiffren allerdings nicht zu finden. Der Sinngehalt kristallisiert sich vielmehr aus der Erkenntnis heraus, Sehen und Lesen als spielerische und irreführende Handlungen zu verstehen. Eine Belohnung lässt sich nicht der Lösung eines Problems oder der Pointe eines Witzes abgewinnen. Die Belohnung liegt im schwebenden Zustand der Unwissenheit.

Hemsworth gelingt es, das „Schöne“ ad absurdum zu führen und das Absurde schön erscheinen zu lassen. Die Bilder der Ausstellung handeln von der beliebten Fahrt ins Grüne. Allerdings sind hier, ähnlich wie in Bob Dylan`s Bear Mountain Picnic, weder Bären noch Berge zu finden. So oder so, ein Picknick wird es alle Mal geben.

(Übersetzung aus dem Englischen von Miriam Walgate, 2015)


Künstler:
Gerard Hemsworth (VITA)