Heinz Breloh

04.09.20 bis 06.11.20

VERNISSAGE: Soft Opening - Freitag 04. September 2020, 11-22 Uhr

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„Es ergab sich wie von alleine, dass die Plastiken aus meiner Bewegung heraus entstehen müssen. […] Zunächst blieben die Bewegungen simpel und elementar: Greifen und etwas sehr einfaches machen.“

Mit diesen Worten beschreibt der Kölner Bildhauer Heinz Breloh die Ursprünge seines bildhauerischen, prozessualen Arbeitens. Zugleich benennt er damit eines seiner zentralen künstlerischen Themen, die Handlung. Schicht um Schicht trägt der Künstler für seine Plastiken Gips auf, je eine Handvoll, bis sich eine Grundform erahnen lässt. Er tritt zurück und schaut, befindet für gut oder schlecht. Er trägt neuen Gips auf oder schlägt ihn an anderen Stellen mit einem Beil ab. Er vergleicht Partien seines Körpers mit der entstehenden Plastik, nimmt sich selbst als Maß. Bald lehnt der Bildhauer seine Arbeit nicht mehr nur an sich selbst an; er beginnt, seinen eigenen Körper in den Gips zu drücken, schleift ihn durch den Gips bis Form und Oberfläche der Plastik zur endgültigen Form gefunden haben.

Dieser ungewöhnliche Arbeitsprozess markiert einen Wendepunkt im Werk des 1940 geborenen Heinz Breloh. Vorausgegangen waren nahezu 25 Jahre künstlerischer Entwicklung. Nach einem klassischen Studium der Bildhauerei bei Gustav Seitz an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und der Erarbeitung geometrischer Abstraktionen bei Fritz Wotruba an der Akademie der bildenden Künste Wien wendet sich Breloh in den 1970er Jahren den Medien Film und Fotografie zu. Mit ihnen erfasst er räumliche Situationen und menschliche Gestalten, erprobt ihre Wiedergabe in plastischer Form. Nach einem einjährigen Aufenthalt am PS1 in New York kommt Breloh zur Übertragung dieser konzeptuellen Fragestellungen in ein anderes Medium: Er formt massige Gipsvolumen, die er Lebensgröße nennt. „Du gehst um die zu gestaltende Masse herum und das ist deine Plastik“ sagt Breloh, dessen eigener Körper Werkzeug im Arbeitsprozess an der Lebensgröße ist. Damit wird Breloh der Plastik zum Parameter: Mit seinen Bewegungen definiert er ihr Erscheinung, seine Ausdehnung im Raum bestimmt ihre Grenzen, die Plastik bleibt als Negativraum einer Choreografie zurück. Ihre Ausformung und die horizontalen Schleifspuren auf ihrer Oberfläche bezeugen die Einschreibung des Künstlerkörpers in den Gips. Die im Material an verschiedenen Stellen sichtbaren Profile Brelohs machen die Plastik zur Spur seiner Anwesenheit im Entstehungsprozess. Sie bezeugen eine Identität zwischen künstlerischer Handlung und Werk, womit das tätige Bildhauerindividuum Heinz Breloh gleichsam Thema der Plastik wird. Der Künstler selbst sagt dazu: „Die Arbeit ist getan, wenn zwischen Körper und Plastik keine Distanz mehr besteht.“ Diese Distanzlosigkeit zum Material wird für Breloh zum existenziellen Erlebnis von Wahrnehmung und Ausdruck. Die dabei gewonnenen Erfahrungen, körperliche wie intellektuelle, sinnliche wie geistige, fließen in seine folgenden Werke ein. Die Reflektion seiner Handlung im Gips bleibt wesentlicher Bestandteil von Brelohs Arbeit bis zu seinem Tod 2001.
(Malte Guttek, 2020)

 

“It fell into place that the sculptures had to arise from my movement. (…)
At first, the movements remained simple and elementary: grabbing and doing something very simple.”

With these words, Cologne sculptor Heinz Breloh describes the origins of his sculptural, procedural work. At the same time, he thereby names one of his central artistic themes: action. To create his sculptures, the artist applies plaster, a handful at a time, layer by layer, until a basic shape can be guessed at. He steps back and examines, approves or disapproves. He applies new plaster or cuts it off elsewhere with an ax. He compares parts of his body with the resulting sculpture, takes himself as a measure. Soon the sculptor is no longer just basing his work on his body; he begins to press his own body into the plaster, dragging it through the material until the shape and surface of the sculpture have found their final shape.

This unusual work process marks a turning point in Breloh's work. Almost 25 years of artistic development had preceded this. After a conventional study of sculpture with Gustav Seitz at the “Hochschule für Bildenden Künste Hamburg” and the elaboration of geometric abstraction with Fritz Wotruba at the “Akademie der Bildenden Künste Wien”, Breloh turned to the media of film and photography in the 1970s. He uses them to capture spatial situations and human figures and tests their reproduction in sculptural form. After a year-long stay at PS1 in New York, Breloh came to transfer these conceptual questions to another medium: He forms massive volumes of plaster, which he calls “Lebensgröße”. “You walk around the mass that is to be molded and that is your sculpture”, says Breloh, whose own body is a tool in the creation of “Lebensgröße”.
The artist's body thus becomes the sculptures parameter: With his movements he defines its appearance, its expansion in space determines its limits, the sculpture remains as a negative space of a choreography. Its shape and the horizontal grinding marks on its surface testify that the artist's body is inscribed in the plaster. Breloh's profiles, visible at various points in the material, make the sculpture a trace of his presence in the creation process. They attest to an identity between the artistic act and the work, whereby the operating individual Heinz Breloh becomes, as it were, the subject of sculpture. The artist himself says about it: “The work is done when there is no more distance between the body and the sculpture.” The lack of distance to the material, experienced in its formation, becomes an existential experience of perception and expression for Breloh. The experiences gained during the processual work - physical and intellectual, sensual and spiritual have an impact on his subsequent works.
The reflection of his action in plaster remains an essential part of Breloh's work until his death in 2001.
 


Knstler:
Heinz Breloh