Julia Jansen

12.01.07 bis 17.02.07

VERNISSAGE:

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Die Eröffnung findet am Freitag den 12. Januar 2007 von 18.00-22.00 Uhr in unseren NEUEN RÄUMEN in der Aachener Strasse 5 statt.

(...) Bei jedem Blick auf ein Gemälde von Julia Jansen können wir uns als ‚Sehende’, aber vielleicht gleichermaßen auch als ‚Getäuschte’ beobachten.
Vielleicht ist der Blick aus dem Halbschlaf heraus auf die Bilder von Julia Jansen auch eine angemessene Form der Begegnung. Wenn wir hellwach sind, ist der Blick uns ständig entzogen, geradezu eingeklammert. Wenn die Malerei eine Sache von Dingen für den Blick ist – und nicht nur von sichtbaren Dingen -, müssen wir zugeben, dass hier eine wesentliche Schwierigkeit besteht, eine unauflösbare sogar. Um ein Bild wirklich anschauen zu können, müssten wir es im Schlaf anschauen können... und das ist offensichtlich unmöglich.
Natürlich stammen die Motive der Bilder allesamt aus der Wirklichkeit, aber hier weist die Wirklichkeit auf etwas Zweifelhaftes hin: Diese Wirklichkeit ist nicht besonders wirklich. Diese stumme Welt, wo alles nahezu natürlich ist, wo man nicht zu viele Fragen stellen sollte, entstammt offensichtlich eher der Halbwelt des Traums.
Das subtile Un-gleichgewicht der Bilder wird mit sehr wenigen Details erreicht. Haben wir diesen halben Traum gesehen oder dieses Gesehene geträumt? Das Fiktive erscheint hierbei ebenso real wie das Faktische. Die Wirklichkeit ist vielleicht doch eher, und nicht erst Robert Musil hat darauf hingewiesen, eine Mischung aus beidem.

(...) Ein Bild muss, um ein Bild zu sein, auf seiner Oberfläche etwas zeigen, das an dieser Stelle selbst nicht vorhanden ist. Jedes Bild ist somit ein sichtbarer Widerspruch von Präsenz und Absenz. Die Malerei von Julia Jansen ist jedoch anwesend und präsent.
Sie bietet sich dem schauenden Auge dar und liefert einen Sinn, den nur Bilder mitteilen können. Dieser entsteht durch die Sichtbarkeit des Bildes und betrifft daher die visuelle Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen. Die eigentümliche Faszination von Julia Jansens Malerei rührt vielleicht daher, dass sie das Sehen selbst zum Thema haben. Ihre Tafelbilder sind natürlich materiell, gleichzeitig aber auch Entmaterialisierungen, welche einen Gegenstand in reine Sichtbarkeit transformieren.
In Jansens Malerei kommt ein Bildbegriff zum Tragen, in der Bilder nicht Abbilder sind, sondern Konfigurationen, in denen die Dinge der äußeren Welt mit Figuren des Denkens zusammentreten. Vor diesem Hintergrund gehen die Bilder über das empirisch Wahrgenommene hinaus, mehr noch, der Betrachter gewinnt erst in und mit ihnen eine Vorstellung vom Wahrgenommenen. <br>
Wir treffen in den Bildern von Julia Jansen auf den ersten Blick dabei auf Wohlvertrautes. Als Gattung lässt sich die Palette des Dargebotenen mehr oder weniger eindeutig benennen: Wir finden die Landschaft, das Interieur, das Genre, die Idylle, das Stilleben und das memento mori. Dies jedoch jeweils im zeitgenössischen Gewande.
Trotz oder vielleicht auch gerade wegen seinen vermeintlichen Beschränkungen erfahren die Bilder in der Malerei eine schier unauslotbare Vielzahl von möglichen Lesarten. In der wirklichen Welt identifiziert man in der Regel Dinge, und Farbe wird mit ihnen in Zusammenhang gebracht als die Farbe von Blättern, Luft, Erde, Wasser, Haut oder Kleidung. Doch in der Malerei ist Farbe der einzige Stoff, durch den alles seine Existenz erhält.  

(...) Wie ein Virus schleicht sich das Lapidare in unerwartete Zusammenhänge ein, wo sich Spuren des Banalen durch minimale Formabweichungen als Relikte möglicher Bedeutungen behaupten. Die absichtlich herbeigeführten Störungen von Julia Jansen grenzen mithin leichtfüßig an Sabotage unseres nach Ordnung strebenden Weltvertrauens. Ihr Blick gleitet auf der Folie unserer Wirklichkeit entlang und sucht gezielt die Schwachstellen im abgemachten Spiel namens Welt auf, um diese Folie an diversen Stellen zu perforieren, sie auf ihre Durchlässigkeit hin zu befragen (...)
Es ist dieses unsichtbare, von uns bewohnte Lebensgefüge, in das hinein Julia Jansen ihre Arbeiten als Stolperfallen auslegt. Ihre Kunst liefert auf poetische Weise Anstöße, um über Sinn und Unsinn unserer Existenz zu reflektieren, im Dialog mit anderen, im Monolog mit unseren Wahrnehmungsweisen und in der Auseinandersetzung mit der sinnlichen Präsenz der Arbeiten. Zur Disposition stehen kunstimmanente Fragestellungen zum Bildraum und zum Raum des Bildes und damit verwoben unsere eigene Verortung in dem unsere Existenz konstituierenden Raum. (...)

(Auszug aus einem Text von Harald Uhr, Juni 2005)





Künstler:
Julia Jansen (VITA)