Michael Kalmbach

10.09.99 bis 30.10.99

VERNISSAGE: 10. September 1999

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Fakten und Daten sind heute das Maß aller Dinge. Allerorten hat man sich an die Realität und das Tatsächliche zu halten. Auf das Glatteis märchenhafter, metaphysischer Vorstellungen mag sich kaum noch jemand begeben. Fantasie und kreative Zweifel spielen bestenfalls Nebenrollen auf einer positivistischen Weltbühne. Michael Kalmbach jedoch kann Märchen und Mythen durchaus etwas abgewinnen. Und ist doch ganz in der Gegenwart verwurzelt. Seine fremdartigen Wesen aus Gips oder auf Papier künden von Bereichen jenseits unseres nüchternen Weltverständnisses. Aber bedenkt man es genau, ist das Märchen vielleicht gar nicht so weit von der Wirklichkeit entfernt, wie es anfänglich scheint. Auch dort werden, fantastisch verschlüsselt und auf die Spitze getrieben, reale Befindlichkeiten geschildert. Es handelt von Liebe und Gewalt, Verrat und Macht, von Sehnsucht und Verlorensein, kurz: von Themen, die uns auch in der handfesten Wirklichkeit beuteln. Davon spricht er in seiner eigenen Sprache.(...)
Auf den ersten Blick können Kalmbachs Arbeiten den Betrachter auf die falsche Fährte einer spielerisch-naiven Niedlichkeit locken, um ihn schnell eines Besseren zu belehren. Michael Kalmbach propagiert keine Friede-Freude-Eierkuchen-Harmonie, sondern konstatiert – oft schonungslos, immer liebevoll und nie moralisierend – die existentiellen Ängste unserer Zeit. Er stellt die Frage nach dem Stand seiner Geschöpfe in der Welt. Nach ihrem Verlorensein in eben dieser und ihrer Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Abhängigkeiten in ihrem Verhältnis zueinander – und immer wieder nach dem Körper, seinen vielfältigen Bedürfnissen und den zahlreichen Schwierigkeiten, die sich aus ihnen ergeben.

Auszüge aus einem Text von Janneke de Vries. (artist kunstmagazin, Nr.40/1999)

Ein Katalog ist in Vorbereitung.


Künstler:
Michael Kalmbach (VITA)