Stephan Melzl

11.04.14 bis 17.05.14

VERNISSAGE: 11. April 2014; 18-21 Uhr

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Dies ist die sechste Einzelausstellung von Stephan Melzl in der Thomas Rehbein Galerie.
Täuschung und Inszenierung, Spiegelungen und morbide Zerbrechlichkeit. In einer eigenwilligen Malweise verschmelzen in Melzl’s Arbeiten Stil-Merkmale des Barock mit Impulsen der Gegenwart und führen zu traumhaft surrealen Bilderwelten von beunruhigender Stille. Seine bis ins Detail durchdachten Kompositionen zeugen von einem reflektierenden Umgang mit der Tradition.

Stephan Melzl’s Bilder erheben nicht den Anspruch Geschichten zu erzählen, vielmehr drücken sie innere Zustände und Phantasien sowie eine eigentümliche Melancholie aus. In schlicht gehaltenen Bildräumen führen gegenwartsbezogene Figuren ein geheimnisvolles Dasein. Die Lichtstimmung verstärkt die rätselhafte Wirkung, die von seinen Arbeiten ausgeht. Adoleszente Protagonisten, halbentblößt und von muskelloser Statur, stehen leicht erhöht, einem kleinen Sockel ähnlich, auf einer Waage. Den Blick nach unten gerichtet, lesen sie ihr Körpergewicht ab. Eine Situation die man gemeinhin mit dem privaten Badezimmer verbindet. Die nüchtern gehalten Räumlichkeiten wirken jedoch wenig heimelig sondern muten vielmehr wie bühnenhafte oder gar museale Schauplätze an. Sie werden zur Projektionsfläche für den jugendlichen Prozess der Identitätsfindung verbunden mit Selbstzweifel und Einsamkeit, spielen aber auch auf Themen wie Erotik und Voyeurismus an. Das anfängliche Gefühl von peinlicher Berührtheit durch die unmittelbare Nacktheit der Figuren, wird aber sogleich wieder relativiert durch den Ausdruck kindlicher Unbekümmertheit und einem den Szenerien oftmals innewohnenden humorvollen Charakter. So imitiert ein kleines nacktes Mädchen in kindlicher Unbefangenheit und mit einer selbstverständlichen Präsenz mit einer Cola-Dose eine männliche Handlung, das Stehpinkeln.
Eine subtil erotische Ausstrahlung besitzt auch die liebliche Darstellung eines weiblichen Akts auf Leinwand. Größtenteils vom Bildrand abgeschnitten wird das Sujet des Gemäldes jedoch erst durch die Spiegelung der offenkundig aufgegriffenen klassischen Nymphenthematik auf den drei Smartphones am Boden im Bildmittel- und Bildvordergrund in Gänze sichtbar. Das Bild im Bild ist ein wiederkehrendes Stilmittel in Stephan Melzl’s Arbeiten. Damit setzt er auf Bildebene eine weitere Bildebene und schafft mit diesem Kniff Raum für Reflexion.

(Miriam Walgate, 2014)


Künstler:
Stephan Melzl (VITA)